Das Sprechen einer Fremdsprache ist für die meisten Lernenden eine Herausforderung. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einer der häufigsten ist die Angst, Fehler zu machen und sich zu blamieren. Aber natürlich können auch fehlende sprachliche Mittel den Sprachfluss hemmen.
Oder die Ursachen liegen in der Persönlichkeit der Lernenden. Manche Personen sind schüchtern oder sehr perfektionistisch, haben eine andere Lerntradition oder es fehlt schlicht das Interesse an einem Thema.

Eine zu frühe Fehlerkorrektur und mangelnde Vorbereitungszeit tun ihr Übriges dazu, den Sprachfluss versiegen zu lassen. Hueber-Referentin Anna Ralston-Schmid gibt Tipps, wie Lehrende die Fähigkeit zur flüssigen Kommunikation fördern können.

Sprechen ist komplex

Denn Sprechen ist ein komplexer Akt. Das Sprechmodell nach Willem Levelt unterscheidet drei aufeinander folgende Prozesse. Der erste ist die Konzeptualisierung: Was will ich sagen? Dafür braucht es Weltwissen und Kenntnisse der Adressaten, der Situation und des jeweiligen Diskurses.
Im zweiten geht es um die Formulierung: Wie will ich es sagen und was brauche ich dazu? Hierfür sind Wortschatz, Grammatik und Redemittel notwendig. Ebenfalls natürlich Kenntnisse der Phonetik und die Fähigkeit, Laute auch richtig auszusprechen. Erst dann kann es zur eigentlichen Artikulation kommen: Ich sage es!

Sprechen lernt man nur durch Sprechen

Ein positives Lernklima mit einer positiven Fehlerkorrektur ist Voraussetzung für angstfreies Sprechen. Die Lehrkraft sollte vermitteln, dass Fehler Teil des Lernprozesses sind.
Außerdem ist der Zeitpunkt der Fehlerkorrektur entscheidend: In Phasen des Wortschatz- und Grammatikerwerbs ist eine sofortige Korrektur sinnvoll, um Wörter und Strukturen korrekt zu lernen. In Diskussionen ist eine ständige Korrektur kontraproduktiv, weil sie den Gedanken- und Redefluss der Lernenden unterbricht und demotiviert. Hier ist es besser, die Fehler zunächst einmal zu sammeln und die wichtigsten gebündelt zu besprechen. Das Feedback sollte aber immer zunächst positiv sein: Was läuft schon gut? Und erst anschließend: Daran kannst Du noch arbeiten.
Motivierend für die Lernenden ist zudem, wenn die Lehrkraft am Beitrag jedes einzelnen wirklich Interesse zeigt.

Aber es gibt auch Materialien und Methoden, mit denen man die flüssige Kommunikation entscheidend fördert. Zum Sprechen motivieren kann eine Auswahl von Themen, die die Interessen und Erfahrungen der jeweiligen Teilnehmenden widerspiegeln. Das DaF-Lehrwerk Vielfalt für die Niveaustufen  B1+ – C1.2 setzt dabei auf Themen, die die Lebenswelt der Lernenden direkt betreffen, wie: Das Leben neu gestalten oder ein neues Zuhause finden.

So kann Sprechtraining konkret aussehen

Gezieltes Sprechtraining ist ein weiterer Baustein und sollte in jeder Phase einer Unterrichtslektion stattfinden. Beim Einstieg in ein Thema wie Das Leben neu gestalten rät Anna Ralston-Schmid dazu, erst einmal die Teilnehmenden von ihren eigenen Erfahrungen mit Veränderungen erzählen zu lassen. Das ist nicht nur motivierend für jeden einzelnen, weil er sich persönlich wahrgenommen fühlt, sondern schafft auch ein gutes Lernklima, weil sich die Lernenden so untereinander besser kennenlernen und Vertrauen entwickeln können.

Anschließend betrachten die Lernenden im Lehrwerk Bilder mit der Fragestellung: Was sollte ich in einem bestimmten Lebensalter nicht oder nicht mehr machen? Die Bilder zeigen etwa eine Zehnjährige, die im Internet surft, ein Paar, das mit 18 ein Baby bekommt oder eine 23-jährige Firmengründerin. Die Lernenden notieren ihre Meinung dazu in Stichpunkten, erarbeiten also gemäß dem Sprechmodell nach Levelt ein inhaltliches Konzept: Was will ich sagen?

Der nächste Schritt umfasst die Erarbeitung der passenden Redemittel. Nach Levelt also das: Wie sage ich es. Um Ihre Meinung zu versprachlichen, brauchen die Lernenden Redemittel, mit denen sie z. B. Begeisterung ausdrücken, Bedenken äußern, Verständnis oder Unverständnis artikulieren können. Unter diesen Aspekten könnte man beispielsweise Lernende verschiedene Redemittel auf Kärtchen schreiben und sortieren lassen.

Erst jetzt geht es darum zu sprechen. Anna Ralston-Schmid schlägt die Form eines Kugellagers vor. Die Lernenden bilden einen Innen- und Außenkreis, die Teilnehmenden im Außenkreis fragen z. B. Sollten Kinder mit 10 im Internet surfen? Die gegenüberstehenden Teilnehmenden im Innenkreis antworten mithilfe ihrer Notizen und der Redemittel. Dann dreht sich das Kugellager weiter und zwei andere Teilnehmende interagieren.

 

 

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