Am 1. Juli 2026 startete das neue BAMF-Kursformat „B2-BSK – Gezielte Prüfungsvorbereitung für Wiederholende“. Dieses Kursangebot richtet sich an Kursteilnehmende, die den Deutsch-Test für den Beruf B2 nicht bestanden haben.

Die mündliche Prüfung ist dabei für die meisten Lernenden die größte Herausforderung. Insbesondere dann, wenn man die Prüfung bereits einmal nicht erfolgreich abgelegt hat und die Angst vor dem Sprechen wächst.
Irene Martius, die über langjährige Erfahrung als Prüferin und DaF/DaZ-Lehrerin verfügt, empfiehlt daher, von Anfang an die Sprechkompetenz gezielt zu fördern und dabei unterschiedliche Lernzugänge gleichermaßen zu berücksichtigen.

Lernende mit unterschiedlichen Lernzugängen und Stärken

Jeder Sprachlehrende macht die Erfahrung, dass Lernende sehr unterschiedlich an das Sprachenlernen herangehen – und dass es dabei zahlreiche Mischformen gibt.

Lernende, die stärker kognitiv orientiert sind, wollen erst den perfekten Satz im Kopf bilden, bevor sie sich äußern. Sie legen großen Wert auf die richtige Grammatik und die passende Wortwahl. Diese analytisch-reflektierte Herangehensweise können sie als Stärke für den Teil 1 der mündlichen Prüfung nutzen, weil sie diesen Prüfungsteil vorbereiten dürfen. Die hier verlangte Präsentationsaufgabe bereitet ihnen daher weniger Schwierigkeiten als die spontane Interaktion im Gespräch, die in Prüfungsteil 2 erwartet wird.

Daneben gibt es Teilnehmende, die angstfrei und intuitiv sprechen, sich der Formulierungen bedienen, die sie im Alltag gehört haben, und dabei wenig auf korrekte Grammatikstrukturen achten. Ihre Stärke ist das fließende Sprechen und die Spontanität, die ihnen besonders im Prüfungsteil 2 der mündlichen Prüfung, in der Interaktion mit einer anderen Person, zugutekommt.

Unterschiedliche Lernzugänge und ihre Herausforderungen

Beide Herangehensweisen bringen jedoch auch Herausforderungen mit sich. Analytisch-reflektierte Lernende sind häufig stark auf Fehler fokussiert. Das hat zur Folge, dass sie sich oft nur stockend äußern, weil sie nach den richtigen Worten suchen oder zu viel über die Grammatik nachdenken. Im schlimmsten Fall entwickeln sie eine Sprechhemmung. Lehrende können hier unterstützen, indem sie vor allem psychologische Sicherheit vermitteln und das Selbstvertrauen stärken.

Bei intuitiv und kommunikationsorientiert lernenden Personen bleibt die Grammatik dagegen oft unscharf und der Wortschatz eingeschränkt, weil Strukturen nicht immer systematisch aufgebaut werden. Die Gefahr von Fossilierungen ist groß. Je länger diese bestehen, desto schwieriger wird es, sie wieder abzubauen. Deshalb ist es wichtig, gezielt zu korrigieren und immer wieder auf sprachliche Strukturen aufmerksam zu machen, um die Genauigkeit zu fördern.

Methodenmix unterstützt unterschiedliche Lernende

Um Lernende mit unterschiedlichen Lernzugängen optimal auf die mündliche Prüfung vorzubereiten, bietet sich ein Methodenmix an.

Szenarien in Berufslehrwerken von Hueber wie „Im Berufssprachkurs“ verbinden Aufgabentypen für alle Lernenden. Auch Scaffolding kommt hier zum Einsatz: Die Lernenden bekommen beispielsweise eine bestimmte Gliederung, in der sie Ideen zu einem Thema sammeln können und Redemittel, mit deren Hilfe sie anschließend ihre Ideen versprachlichen können.

Für eher analytisch-reflektierte Lernende sind diese Redemittel besonders wichtig, um ein Gerüst fürs Sprechen zu haben und sicher eher zu trauen. Aber auch intuitive Lernende profitieren davon und sollten ermuntert werden, solche Redemittel auszuprobieren anstatt einfach drauf los zu reden und so vielleicht im Stadium des „fließend falsch“ steckenzubleiben.
Wichtig sei es, so Martius, den Teilnehmenden den jeweilgen Nutzen einer Übung klar zu machen. So können Lehrende vor Rollenspielen etwa die Möglichkeit geben, sich erst Notizen zu machen. Das hilft den unterschiedlich Lernenden, entweder freier zu sprechen oder sich erst einmal über Strukturen Gedanken zu machen.

Und Martius rät Lehrenden auch, immer wieder ungezwungen Smalltalk, auch abseits von Arbeitsthemen, in den Unterricht mit einzubeziehen. Zum Beispiel in Form von Kursspaziergängen von Person zu Person, bei denen die Teilnehmenden sich ohne Druck über ein Alltagsthema austauschen können. Das schafft außerdem eine entspannte, angstfreie Lernatmosphäre. Und das, verbunden mit einer konstruktiven Fehlerkultur, so Martius, sei schließlich das Wichtigste, damit sich jemand traut zu sprechen.

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