Stressprävention im Sprachunterricht mit Happy Learning
Sprachenlernen soll glücklich machen – das ist in einen Satz gebracht der Happy Learning-Ansatz von Professorin Dr. Michaela Sambanis und Professor Dr. Christian Ludwig von der Freien Universität Berlin. Dazu gehört, dass im Sprachunterricht positive Gefühle aufgebaut werden. Etwa durch die Möglichkeit, eigene Stärken einzubringen und gute Beziehungen zur Lehrkraft oder zu anderen Lernenden aufzubauen. Auch geht es darum, ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu entwickeln.
Lebenskompetenzen schützen die Psyche
Im Sprachunterricht sollen sogenannte Lebenskompetenzen, live skills, vermittelt werden. Diese gelten als Schutzfaktoren für psychische Gesundheit, weil sie helfen, herausfordernde oder belastende Situationen zu meistern.
Zu diesen Kompetenzen gehören Empathie, gerade in Zeiten von KI. Aber auch kritisches Denken, Gefühlsbewältigung und Problemlösungsfähigkeit bzw. Kreativität sind wichtige Kompetenzen, die im Rahmen des Sprachunterrichts gefördert werden. Eine der wichtigsten Fähigkeiten in Zeiten, in denen viele Menschen durch das Gefühl, von einer Krise in die nächste zu geraten, belastet sind, ist jedoch die Stressbewältigung. Denn Stress ist auch im Bildungsalltag ein ständiger Begleiter. Lernenden setzen häufig Selbstzweifel und die Angst vor Sprachenprüfungen zu.
Eine der wichtigsten Aufgaben von Lehrkräften ist es daher, den Lernenden so gut wie möglich den negativen Stress zu nehmen bzw. einen konstruktiven Umgang mit Stress zu finden. Denn wer gestresst ist, hat Konzentrationsschwierigkeiten, macht Fehler oder prokrastiniert. Im schlimmsten Fall ist der-/diejenige reizbar oder zieht sich ganz zurück. Alles Faktoren, die das Lernen einer Sprache enorm erschweren.
Konstruktiv mit Stress umgehen
Eine Möglichkeit ist das sogenannte Coping. Darunter versteht man jede Form der Auseinandersetzung bzw. des Umgangs mit psychisch als belastend empfundenen Situationen oder Ereignissen.
Bei Fremdsprachenangst, also der Angst der Lernenden, die Fremdsprache nicht lernen, nicht aussprechen zu können, nicht verstanden zu werden und letzten Endes in der Prüfung zu scheitern, gibt es folgende Coping-Strategien: Lehrende können Lernenden gezielt Lernstragien vermitteln, ihnen aber auch die Möglichkeit zur Entspannung geben. Dafür bieten sich Atemübungen oder kurze Achtsamkeitsübungen an.
Beim Feedback ist es hilfreich, den Fokus auf die Fortschritte und nicht auf die Fehler zu legen. Denn ist es wichtig, Lernen auf eine Weise zu fördern, die Fortschritte und nicht Perfektion in den Mittelpunkt stellt.
Energie und Entspannung
Sambanis und Ludwig empfehlen auch, an den Beginn einer Lerneinheit erst einmal einen kleinen Energizer zu stellen. Zum Beispiel in einer Minute gemeinsam so viele positive Wörter wie möglich sammeln nach dem Motto: Das macht mich glücklich. Das kann auch in eine Bewegungsübung integriert werden. Lernende werfen sich einen Ball zu und jeder ergänzt einen neuen, positiven Begriff. Danach ist die Stimmung gut, die Lernenden entspannt und stressfrei. Jetzt ist das Gehirn am besten in der Lage, neue Lerninhalte aufzunehmen.
Bewegungs- und Entspannungsübungen können Lehrende immer wieder in den Unterricht einfließen lassen, wenn sie bemerken, dass die Aufmerksamkeit sinkt. Eine schöne Möglichkeit Bewegung, Entspannung und Sprache miteinander zu verknüpfen, ist das Improvisationstheater. Das wirkt sich auch auf die Fremdsprachenangst sehr positiv aus. Denn es hilft, die Angst vor dem Sprechen zu verlieren, weil die Interaktion und nicht in erster Linie die Sprachproduktion im Vordergrund steht.
Glückliche Lernende bedeuten auch: weniger gestresste Lehrende. Denn darum geht es ebenfalls im Happy Learning: Wohlbefinden für Lernende und Lehrende.
Wollen Sie mehr über die Möglichkeiten mit Happy Learning wissen? Hier geht es zum Buch „Happy Learning – Glücklich und erfolgreich Sprachen lernen“ von Michael Sambanis und Christian Ludwig. Der Sprachlernratgeber ist auf Deutsch und Englisch erschienen.

Erfahren Sie mehr über Happy Learning im Webinar mit Prof. Dr. Christian Ludwig am 20. Mai 2026:
20.05.26, 15:00 – 16:00 Uhr:
Gelassen und stark: Happy Learning als Stressprävention
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Unsere Autorin
Ariane Suckfüll arbeitet als DaF/DaZ-Dozentin, Journalistin und Prüferin. Als Lehrerin hat sie schon auf allen Niveaustufen unterrichtet. In letzter Zeit war sie vor allem in der Flüchtlingshilfe aktiv. Als Journalistin war sie viele Jahre für verschiedene, auch internationale Fachzeitschriften tätig und oft im Ausland unterwegs. Für den Blog Unterrichtspraxis DaF/DaZ verbindet sie Erfahrungen aus beiden Bereichen.