Deutschland scheint für  internationale, hochqualifizierte Fachkräfte nicht besonders attraktiv zu sein. Laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung liegt es bei den OECD-Ländern nur auf Platz 15 der Länder, in die Menschen aus beruflichen Gründen einwandern möchten.

Also weit hinter europäischen Ländern wie Schweden (Platz 2), der Schweiz (Platz 3) und Norwegen (Platz 5). Dabei werden qualifizierte Fachkräfte hierzulande dringend gebraucht. Besonders im Bereich der Pflege: Zahlen des Statistischen Bundesamts prognostizieren, dass bis zum Jahr 2049 voraussichtlich zwischen 280 000 und 690 000 Pflegekräfte fehlen werden.

Internationale Fachkräfte stehen in Deutschland vor großen Herausforderungen, sagt Jana Novin, die beim Hueber Berufsfachtag im November 2025 ein Webinar zu diesem Thema angeboten hat. Dazu gehören sowohl emotionale als auch soziale Aspekte. Insbesondere seien in Deutschland die vielen Regeln und der überbordende Papierkram ein steter Quell von Unsicherheit, Ohnmacht, Überforderung und letzten Endes Frust, so Novin.

Jana Novin arbeitet als selbstständige Integrationsberaterin und betreut internationale Fachkräfte auch im Einzelcoaching.

Emotionale Ausnahmesituation

Emotional herausfordernd ist die Mischung aus Abschied und Neubeginn, die jede/r, die/der in einem anderen Land Fuß fassen will, erst einmal verarbeiten muss. Auswanderer lassen Familie, Freunde und alte Routinen hinter sich. Gleichzeitig besteht neben Verlustängsten auch die Vorfreude auf Neues. Gepaart mit der Sorge, ob das neue Leben gelingt. Also alles in allem eine Zeit der emotionalen Instabilität und besonderen Sensibilität, so Novin.

Nach dem Ankommen im neuen Land gibt es erst einmal keinerlei Routine, keinen Alltag. Alles ist neu und muss eingeordnet werden. Hinzu kommt das fehlende soziale Netz und die dauernde kognitive Belastung, die durch Erlernen und Anwenden der neuen Sprache entsteht – was oft mit Scham und Selbstzweifeln einhergeht. Diese Zeit führt bei vielen zu Dauerstress, Anspannung und einem Gefühl des Kontrollverlusts.

Hier kann es helfen, die Ankommenden auf 3 Ebenen zu entlasten, so Novin. Einmal strukturell, indem es klare Infos, Routinen, Vorlagen und Checklisten gibt. Dann auf sprachlicher Ebene, indem die Kommunikation so klar und einfach wie möglich gehalten ist.

Und vor allem auf der emotionalen Ebene.  Dazu gehören ein wirklich ernst gemeintes positives Feedback und ermutigende Sätze, die Angst vor Fehlern nehmen: „Du machst Fortschritte, auch wenn du sie selbst nicht siehst!“ oder „Fehler zeigen, dass du lernst. Du darfst Fehler machen!“

Jana Novin meint: Wohlwollen, Unterstützung und Verständnis nehmen schon viel Druck und Anspannung von Menschen, die gerade dabei sind, sich in einer fremden Umgebung, in einem ungewohnten Alltag und an einem neuen Arbeitsplatz zurechtzufinden und einzuleben.

So kann Integration gelingen

Wie so eine Unterstützung in einem aufnehmenden Krankenhaus für internationale Pflegefachkräfte aussehen kann, weiß Sigrid Fritz, Integrationsmanagerin der Städtischen Kliniken Mönchengladbach.

Das Integrationsmanagement der Kliniken in Mönchengladbach wurde ins Leben gerufen, um zum einen internationale Pflegefachkräfte zu akquirieren, zum anderen aber auch um deren Onboarding in der Klinik zu organisieren und für beide Seiten zu erleichtern.

Seit drei Jahren begleitet Sigrid Fritz gemeinsam mit ihrer Kollegin Alma Dreyer, die Pflegekräfte bestmöglich in das neue Arbeitsleben. Dazu gehört auch, ihnen die berufliche Anerkennung in den Kliniken zu ermöglichen. Ein Grundpfeiler ist außerdem eine ausführliche Einarbeitung auf Station.
Aber auch die soziale Integration am neuen Wohnort ist entscheidend, um internationale Fachkräfte langfristig zu binden. Aus diesem Grund arbeitet das Integrationsmanagement sehr eng mit Akteuren der Kommune zusammen.

Ankommen braucht Zeit

Fritz beschreibt beim Hueber Berufsfachtag den Prozess am Beispiel einer Pflegekraft aus dem Iran, die noch nie zuvor in einem anderen Land war und sich bei ihrer Ankunft „wie Alice im Wunderland“ gefühlt habe – alles ist neu und anders. In Mönchengladbach werden die Pflegekräfte von Mitarbeitenden des Integrationsmanagements bereits am Flughafen in Empfang genommen. Für die ersten sechs Monate steht für sie ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft zur Verfügung.

Fritz betont, wie wichtig es sei, den neuen Mitarbeitenden erst einmal Zeit zur Eingewöhnung zu geben. Deshalb werden sie in den ersten vier Wochen noch nicht auf Station eingesetzt, sondern erhalten zunächst einmal ein Fachsprachtraining. In diesen vier Wochen werden auch die notwendigen Behördengänge gemacht. Auch dabei begleiten wir die neuen Kolleginnen, so Fritz.
Eine Stadtführung ist fester Bestandteil des Ankommensprozesses, damit die neuen Kolleg:innen sich mit ihrem neuen Lebensumfeld außerhalb der Klinik vertraut machen können. Dazu gehören auch ganz praktische Dinge, wie sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vertraut zu machen.

Die Neuen nicht allein lassen und Geduld haben

Außerdem machen die neuen Pflegekräfte erst einmal Hospitationen auf Station. Auch da werden sie nicht allein gelassen, sondern bekommen Fachkräfte an die Seite, die ihnen erste Praxisanleitungen geben. Und schließlich geht es auf eine sogenannte Willkommensstation, auf der sie den Arbeitsalltag in Ruhe kennenlernen können.
Nach vier Wochen auf der jeweiligen Willkommensstation – eine Zeit, in der die Pflegekräfte sich auch erst einmal mit den räumlichen Gegebenheiten und der neuen Arbeitsstruktur vertraut machen können und nicht sofort gefordert werden – beginnt die Phase der beruflichen Anerkennung.

„Wenn ich unter Stress stehe, fallen mir die deutschen Wörter nicht mehr ein“ ist ein Satz, den die Mitarbeitenden der Klinik von ihren neuen Kolleg:innen häufig hören. Auch hier gilt es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Sprachentwicklung einfach Zeit braucht. Genauso wie das Erlernen neuer Arbeitsroutinen, das die neuen Kolleg:innen parallel dazu leisten müssen.
Um Mitarbeitende und Führungskräfte für diese Herausforderungen zu sensibilisieren, bietet das Integrationsmanagement auch interkulturelle Fortbildungen an.

Mehr zum Integrationsmanagement an den Städtischen Kliniken Mönchengladbach:

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Weitere Informationen

 

 

Das nächste Webinar mit Jana Novin zum Thema Selbstbewusstsein und Mut zum Sprechen findet am  16. Februar 2026 statt:

Menschen, die neu in Deutschland sind oder hier leben und arbeiten möchten, stehen vor vielfältigen sprachlichen, kulturellen, sozialen, emotionalen und administrativen Herausforderungen. Eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Integration ist es, Deutschlernenden die Angst vor Fehlern zu nehmen und sie dabei zu unterstützen, emotionalen Stress in Selbstbewusstsein zu verwandeln. In diesem Webinar erhalten Sie praxisnahe Ideen und konkrete Impulse, wie Sie das Thema Selbstbewusstsein im Lehrwerk Miteinander! bewusst und verständlich aufgreifen können. Anhand ausgewählter Inhalte schauen wir uns an, wie Sie Ihre Lernenden dabei begleiten, Mut zum Sprechen zu entwickeln – auch mit und gerade trotz Fehlern.

Ziel ist es, die Handlungssicherheit und Sprechfreude vom Lernenden nachhaltig zu stärken.

 

Eine junge Frau hält sich die Hand vor den Mund und hält in der Hand eine Sprechblase mit drei Fragezeichen

 

Miteinander – Selbstbewusstsein & Mut zum Sprechen in den Unterricht integrieren

Hueber-Webinar am 16.02.2026
mit Jana Novin

Noch sind Plätze frei … melden Sie sich am besten gleich kostenlos an!

 

 

 

 

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